julean a. simon - wax

bach projects

 

qu0.qu2

030112
quranTe

DVD 7:40min video & music, 2002/3 Berlin
In this video Julean Simon plays a midi-wind-controler and he programmed a hyper-cello virtual instrument (physical modeling algorithms) to play from Bach's "Suites For Unaccompanied Cello" (here: BWV 1007, Courante). The recorded track has been used as source to be re-interpreted in real-time with a MAX/MSP program allowing live-sampling and several processes such as granular syntheses, looping, layering, etc. The video-track plays with the multiple-layered rhythmic structure and especially reinforces the hypnotic character inherent to the audio-track.

nmi

070628
nmi07, auf dem Dach der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften - J. Simon spielt aus den Cellosuiten von Bach

DVD 18:30min, 8pieces, 2007 Berlin, Nadja Kutze: Kamera
has been quite a challenge to play these pieces in the background of a roofparty: on the audio-track of the video you can hear the noise. So it was pretty hard to concentrate and I tend to loose my interpretation concept, and especially timing quite often. Particularly tempochanges did not work out, so there remains the impression that the pieces are played too fast.Yet, some of the phrasings turned out nicely, also the sound of the voice is richer now...its a work in progress.

casals

070307
casals -10

DVD 15min, 10chapters:
00.00 bwv1007 prelude
01.53 bwv1007 allemande
03.15 bwv1007 courante
04.19 bwv1007 sarabande
06.04 bwv1007 menuett
07.18 bwv1007 gigue
08.13 bwv1008 courante
09.44 bwv1009 bourree
11.40 bwv1011 sarabande
13.02 bwv1012 courante

"casals -10" is concept art; it is about the instrumentalist in electronic music and the challenge of interpreting a difficult masterpiece. i read that casals once said you have to be at least 60 to play the cellosuites - we have now about 50 years of electronic music...

i did not receive classical music education, actually i started playing the wind-controler 5 years ago. the suites are among my daily studies since then. concerning the instrument, i modified the hardware, wrote my own software (max-msp) and it took several years to program the voice (physical modelling) to more and more comply with the demands in playability and expression.

experts will notice that the voice actually does not simulate a cello - as an electric guitar does more than just amplify an acoustical - its a new instrument. also, the interpretation does not try to mimik casals, ma, starker, tortellier, wispelwey... i attempt a new approach, soundwise as well as structurally.

today very little electronic music is really played by an instrumentalist; usually it is a teamwork of technicians and designers and a patchwork of pre-produced effects and drag-dropped materials. this is ok, but should not let you forget that also in the electronic domain playing music yourself and realtime is the best!

 

Etwas mehr Hintergrundinformation zu "casals -10"

Ich habe nicht vor, klassischer Musiker zu werden, aber die Cellosuiten von Bach zu spielen ist schlicht und einfach Vergnuegen. Ausserdem erfreuen sie sich einer gewissen Popularitaet (ich schaetze mal - beruhend auf einem Missverstaendnis) und ich kann sie jenem Teil des Publikums vorspielen, der meine eigene Musik unertraeglich findet. Aber das ist nicht der Grund weshalb ich sie spiele, denn dafuer waere der Aufwand viel zu gross.

Ich moechte mich vielmehr - als elektronischer Musiker - von diesen Meisterwerken der Musiktradition "verorten" lassen: sie sollen mir zeigen, wo ich als elektronischer Instrumentalist in Relation zum akustischen Instrumentalisten stehe, in hinblick auf die Spieltechnik ebenso wie Fragen der Interpretation, des Tons, etc. In der elektronischen Musik - insbesondere in der industriell produzierten (und das ist heute fast jede) - werden wesentliche Aspekte des Musikmachens automatisiert oder ueberhaupt als obsolet ueber Bord geworfen und dies wird als Fortschritt verkauft. Insofern macht es Sinn sich hin und wieder praktisch an traditionellen Kategorien zu orientieren.

Als ich 2001 begann mich mit meinem Instrument, dem "wind midi controler" zu beschaeftigen - also zu entdecken wie man es spielen kann, vor allem auch hinsichtlich der Programmierung der Stimmen, war ich zunaechst ein Verfechter der Meinung man sollte Stimmen entwickeln, die sich erheblich von akustischen unterscheiden. Das ist aber nicht einfach, erstens, weil die Syntheseform (physical modelling) so gut funktioniert, dass die Ergebnisse zumeist wie akustische Tongenerierung klingen und zweitens weil selbst die verruecktesten Klaenge tendenziell in Relation zu akustischen Klaengen interpretiert werden.
Ausserdem steigt man wesentlich tiefer in die Programmierung der Stimmen ein und lernt mehr wenn man sich schwierige Aufgaben stellt - also etwa eine Cellostimme. Es schien mir eine gute Moeglichkeit das komplexe Syntheseverfahren besser zu verstehen, indem ich erstmal statt beliebiger neuer Klaenge ein bekanntes und schwieriges Instrument waehle und versuche eine aehnliche Komplexitaeten im Klang zu erziehlen. Als viel wichtiger als vordergruendige Imitation des Klangs erweisen sich uebrigens Aspekte der Spielbarkeit und der Formnbarkeit. "Nicht-akustisch-klingende" Stimmen sind oft Zufallsprodukte, fuer die man selten die Muehe aufbringt daran laenger zu arbeiten. An meiner Cellostimme arbeite ich mittlerweile seit 5 Jahren.

Um die Stimme jeweils unter moeglichst harten Real-Welt-Bedingungen zu testen habe ich begonnen die Cellosuiten von Bach damit zu spielen, denn besser geeignet als Improvisation ist ein klassisches Stueck, das klangliche Ablaeufe einigermassen vorgibt. Ich habe zuvor nie Klassik gespielt, also war auch dies eine entsprechende Herausforderung.
Ich hab irgendwo gelesen Casals haette mal gesagt dass man die Suiten eigentlich erst mit 60 wirklich spielen koenne. Die Geschichte der elektronische Musik (und ich selbst) befinden sich somit auf einem Stand minus-zehn (also der Titel: casals -10). Das kann ich mittlerweile nachvollziehen, denn es braucht einiges an Zeit, bis die vielen moeglichen Spielweisen und Verstaendnisse durch die man sich hindurch entwickelt schliesslich in der noetiger Reife konvergieren - hinter zwoelfjahrigen Wunderkindern spielen ja eigentlich ihre Lehrer. Auf meinem Instrument ist dies nochmal anders, da es um eine Gratwanderung zwischen (notwendigerweise) Aehnlichkeit und Eigenstaendigkeit geht. Imitation, die im akustischen Bereich durchaus ein legitimes Mittel, wenn nicht sogar ein Prinzip ist, wird auf meinem Instrument sofort kritisiert.

Zunaechst geht es mir nicht darum existierende Aufnahmen zu reproduzieren, sondern ich moechte wissen, ob man mit meinem Zugang zu einer akzeptablen oder gar interessanten Interpretation kommen kann. ich spiele die Cellosuiten als Etueden - so wie sie frueher angesehen wurden, bevor sie zu (mittlerweile populaeren) Konzertmusik wurden. Insofern entziehe ich mich etwas den gaengigen Vorschriften, wie sie zu spielen sind. Das faengt schon mit dem Tempo an, das natuerlich meist zu hoch ist. Ich benoetige es aber fuer die Phrasierungen, die ich herausarbeiten moechte (bzw. die sich herausgebildet haben). Ich spiele auch nicht (bis auf einzelne Ausnahmen) die vorgeschriebenen Wiederholungen, da mich - um es in Literatur zu sagen - eine Prosa-Interpretation mehr interessiert als eine lyrische. Aus diesen Gruenden setze ich auch Pausen wo keine sind (als Blaeser muss man ja auch sehen wo man das Atmen unterbringt), verschlucke reichlich Noten, betone oft den Offbeat und habe auch viele Tempowechsel, die einer strengen Bach-Interpretation sicherlich nicht entsprechen.
Indem ich das sage, moechte ich natuerlich nicht jede Freiheit immunisieren. Mit manchem bin ich selbst unzufrieden, kann es bislang aber nicht besser. Manches habe ich auch schon fehlerloser gespielt, aber es geht hier nicht um eine gelackte Produktion. Ich hab eher die lebendigeren Versionen ausgewaehlt, gegenueber den einigermassen perfekt gespielten.

Aber wie gesagt, die konkrete Interpretation und die damit verbundenen Interpretationsfragen stehen eigentlich nicht im Zentrum, sondern das Thema: Instrumentalist in der elektronischen Musik.
In der elektronischen Musikszene (damals in Berlin) war dies kein Thema, die elektronischen "live-Musiker" standen am Laptop und steuerten vorfabrizierte Klangmaterialien und die elektronischen Komponisten bastelten im Studio an ihren Werken. Ich kenne keinen der einen aehnlichen Ansatz wie ich praktizierte oder auch nur vertrat. Und ich schaetze, dass sie diesen Ansatz auch nicht nachvollziehen koennen oder wollen. Eine wesentliche Faszination ihrer elektronisch/digitalen Arbeitsweise liegt darin mittels drag/drop Effekte zusammenzumischen um mir-nichts-dir-nichts eindrucksvolle Ergebnisse zu erhalten. Viele dieser Musiker waren auch keine Musiker, eher Medienkuenstler oder auch DJs, haben selten ein Instrument in der Hand gehabt und koennten kaum einen Akkord aufs Klavier oder einen Beat aufs Schlagzeug legen. Das soll nicht despektierlich klingen, vielmehr will ich verdeutlichen wie ich mich selbst dem Sog dieser Automatisierungstendez zu entziehen suche, den der Bereich des elektronischen Musikmachens ausuebt, etwa durch die Art der Produkte, die auf dem Markt sind (die allermeisten sind darauf ausgelegt, dass man weder Musiker sein muss noch irgendetwas von Musik zu verstehen um sie zu benutzen).

Ich versuche fuer mich selbst das umfangreiche Arbeitsfeld des elektronischen Instrumentalisten zu klaeren. Dazu gehoert, dass man staendig selbst Instrumentenbauer und -entwickler ist und andererseits die Instrumente auch selbst spielt. Das das geht und auch "Spass macht" moechte ich zeigen. j.s.

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