|
|
julean a. simon - wax bach projects
|
||
.![]() |
030112 DVD 7:40min video & music, 2002/3 Berlin |
||
![]() |
070628 DVD 18:30min, 8pieces, 2007
Berlin, Nadja Kutze: Kamera |
||
![]() |
070307
"casals -10" is concept art; it is about the instrumentalist in electronic music and the challenge of interpreting a difficult masterpiece. i read that casals once said you have to be at least 60 to play the cellosuites - we have now about 50 years of electronic music... i did not receive classical music education, actually i started playing the wind-controler 5 years ago. the suites are among my daily studies since then. concerning the instrument, i modified the hardware, wrote my own software (max-msp) and it took several years to program the voice (physical modelling) to more and more comply with the demands in playability and expression. experts will notice that the voice actually does not simulate a cello - as an electric guitar does more than just amplify an acoustical - its a new instrument. also, the interpretation does not try to mimik casals, ma, starker, tortellier, wispelwey... i attempt a new approach, soundwise as well as structurally. today very little electronic music is really played by an instrumentalist; usually it is a teamwork of technicians and designers and a patchwork of pre-produced effects and drag-dropped materials. this is ok, but should not let you forget that also in the electronic domain playing music yourself and realtime is the best! |
||
|
Etwas mehr Hintergrundinformation zu "casals -10" Ich habe nicht vor, klassischer Musiker zu werden, aber die Cellosuiten von Bach zu spielen ist schlicht und einfach Vergnuegen. Ausserdem erfreuen sie sich einer gewissen Popularitaet (ich schaetze mal - beruhend auf einem Missverstaendnis) und ich kann sie jenem Teil des Publikums vorspielen, der meine eigene Musik unertraeglich findet. Aber das ist nicht der Grund weshalb ich sie spiele, denn dafuer waere der Aufwand viel zu gross. Ich moechte mich vielmehr - als elektronischer Musiker - von diesen Meisterwerken der Musiktradition "verorten" lassen: sie sollen mir zeigen, wo ich als elektronischer Instrumentalist in Relation zum akustischen Instrumentalisten stehe, in hinblick auf die Spieltechnik ebenso wie Fragen der Interpretation, des Tons, etc. In der elektronischen Musik - insbesondere in der industriell produzierten (und das ist heute fast jede) - werden wesentliche Aspekte des Musikmachens automatisiert oder ueberhaupt als obsolet ueber Bord geworfen und dies wird als Fortschritt verkauft. Insofern macht es Sinn sich hin und wieder praktisch an traditionellen Kategorien zu orientieren. Als ich 2001 begann mich mit meinem Instrument, dem "wind midi
controler" zu beschaeftigen - also zu entdecken wie man es spielen
kann, vor allem auch hinsichtlich der Programmierung der Stimmen, war
ich zunaechst ein Verfechter der Meinung man sollte Stimmen entwickeln,
die sich erheblich von akustischen unterscheiden. Das ist aber nicht
einfach, erstens, weil die Syntheseform (physical modelling) so gut funktioniert,
dass die Ergebnisse zumeist wie akustische Tongenerierung klingen und
zweitens weil selbst die verruecktesten Klaenge tendenziell in Relation
zu akustischen Klaengen interpretiert werden. Um die Stimme jeweils unter moeglichst harten Real-Welt-Bedingungen
zu testen habe ich begonnen die Cellosuiten von Bach damit zu spielen,
denn besser geeignet als Improvisation ist ein klassisches Stueck, das
klangliche Ablaeufe einigermassen vorgibt. Ich habe zuvor nie Klassik
gespielt, also war auch dies eine entsprechende Herausforderung. Zunaechst geht es mir nicht darum existierende Aufnahmen zu reproduzieren,
sondern ich moechte wissen, ob man mit meinem Zugang zu einer akzeptablen
oder gar interessanten Interpretation kommen kann. ich spiele die Cellosuiten
als Etueden - so wie sie frueher angesehen wurden, bevor sie zu (mittlerweile
populaeren) Konzertmusik wurden. Insofern entziehe ich mich etwas den
gaengigen Vorschriften, wie sie zu spielen sind. Das faengt schon mit
dem Tempo an, das natuerlich meist zu hoch ist. Ich benoetige es aber
fuer die Phrasierungen, die ich herausarbeiten moechte (bzw. die sich
herausgebildet haben). Ich spiele auch nicht (bis auf einzelne Ausnahmen)
die vorgeschriebenen Wiederholungen, da mich - um es in Literatur zu
sagen - eine Prosa-Interpretation mehr interessiert als eine lyrische.
Aus diesen Gruenden setze ich auch Pausen wo keine sind (als Blaeser
muss man ja auch sehen wo man das Atmen unterbringt), verschlucke reichlich
Noten, betone oft den Offbeat und habe auch viele Tempowechsel, die einer
strengen Bach-Interpretation sicherlich nicht entsprechen. Aber wie gesagt, die konkrete Interpretation und die damit verbundenen
Interpretationsfragen stehen eigentlich nicht im Zentrum, sondern das
Thema: Instrumentalist in der elektronischen Musik. Ich versuche fuer mich selbst das umfangreiche Arbeitsfeld des elektronischen Instrumentalisten zu klaeren. Dazu gehoert, dass man staendig selbst Instrumentenbauer und -entwickler ist und andererseits die Instrumente auch selbst spielt. Das das geht und auch "Spass macht" moechte ich zeigen. j.s. |
|||